| Ein Schwebestativ im Selbstbau |
(zurück) 7. Versuch weiter zum Kamera-Kran
Auf der Suche nach Informationen über professionelle SteadyCams stieß ich immer wieder auf die
typischen Konstruktionen, bei denen eine Verbindung aus Kugelgelenk und Winkelstativ angeboten wird.
Also versuchte ich auch das mal aus.
Der erste Versuch aus Gewindestangen und einem simplen Kugelgelenk (von einem minderwertigen Mini-Stativ)
war leider kein Erfolg und wird deshalb hier nicht eigens dokumentiert. Aber nach langen Überlegungen,
worin denn das Prinzip der Profi-Stative wohl liegen mag, kam mir endlich die hilfreiche Idee:
Man muss wohl das Winkelstativ mit einem sehr leichtgängigen Kugelgelenk so aufbauen, dass mit Hilfe
von Ausgleichsgewichten der Schwerpunkt des Kamerateils nur knapp unterhalb des Kugelgelenks
zu liegen kommt. Dann müssten zum einen durch das Kugelgelenk die Verwacklungen der Handführung
unwirksam werden, sowie aus physikalischen Gründen das Auslenkpendeln bei horizontalen Beschleunigungen.
Denn ein langes 'Pendel' schwankt bei jeder seitlichen Beschleunigung - und genau das gilt es aber zu
vermeiden! Folglich muss das wirksame 'Pendel' möglichst kurz bleiben, das ist die
Strecke zwischen dem Kugelenkzentrum und dem Schwerpunkt des Stativs.
Dieses physikalische Prinzip hatte ich bisher nirgends erklärt gefunden.
Ergebnisse:
Das Schwebestativ
(Bild 1)
Die vorrangige Herausforderung beim Bau des Stativs lag natürlich darin, ein Kugelgelenk
zu finden, das keine nennenswerte Reibung aufweist. Ich fand dafür nirgends ein brauchbares
Angebot. Also musste ich selbst etwas entwickeln. Auf meine eigentlich ganz simple Lösung bin ich stolz,
denn das Gelenk ist zum einen absolut primitiv zu realisieren, zum anderen funktioniert es tatsächlich
praktisch ohne Reibung:
Eine Spitze eines abgeschnittenen Nagels sitzt in einem angebohrten 'Stuhlnagel' (siehe Bild 2).
Einfacher geht's wohl kaum noch!
Etwas knifflig ist das Austarieren des Gleichgewichtes. Ich besorgte mir im Baumarkt für ein paar
Euro die größten dort angebotenen Beilagscheiben. Diese verteilte ich vorne und unten am Stativ so, dass
der Camcorder gerade nicht mehr wegkippt - das ist absolut WICHTIG und stellt das
zentrale Prinzip der Konstruktion dar! Nur so ist nämlich sichergestellt, dass seitliche
Bewegungen beim Filmen kaum mehr zu Pendelbewegungen führen, sondern der Camcorder immer aufrecht stehen
bleibt (wenn man etwas Übung darin hat).
Wegen dieser knapp vor der Instabilität liegenden Gewichtsverteilung führt übrigens bereits ein
aus- oder eingeklappter Camcorder-Monitor zu einer deutlichen Veränderung der Seitenlage! Also muss man
zum richtigen Anordnen der Gewichte wirklich einen lauffähigen Camcorder montiert haben, mit ausgeklapptem
Monitor und mit dem tatsächlich später verwendeten Akku sowie eventuellem Objektiv-Vorsatz oder anderen
zusätzlichen Gewichten (z.B. Videoleuchte).
Auch kleinste Abweichungen vom realen Zustand führen bereits zu empfindlichen Veränderungen an der
Lage des Camcorders.
Man kann bei meiner Konstruktion auch jederzeit die vertikale Neigung des Camcorders justieren, um
unterschiedliche Neigungen für den vertikalen Aufnahmewinkel einzustellen (das können andere Stative nicht
unbedingt!). Dazu verändert man einfach geringfügig die Neigung des kurzen Stativteils über dem
Kugelgelenk.
Aber Vorsicht! Bereits eine minimale Änderung der Neigung dieses Elementes führt zu einer
deutlichen Neigungsänderung des Camcorders!
meine Lösung für ein 'reibungsfreies Kugelgelenk' (Bild 2)
Bisher besteht das Stativ aus minderwertigen Holzleisten, aber an der prinzipiellen Konstruktion ändert
sich nichts mehr, denn das Prinzip ist ja endlich aufgedeckt und erfolgreich umgesetzt, jetzt wird erst
mal fleißig gefilmt, um die nötige Übung zu bekommen. Die ist auch wichtig, denn die Führung des
Stativs ist nicht ganz ohne, weil das freie Schweben der Anordnung ein gewisses Eigenleben mit sich
bringt, für das man erst mal ein Gefühl entwickeln muss...!!! *g*
Hier ein Zusammenschnitt einiger realer Video-Beispiele (ca. 7MB)
aus einem Urlaubs-Video, (daurch ergeben sich natürlich etwas harte Schnitte) mit dem der Betrachter
hoffentlich beurteilen kann, inwiefern meine Ergebnisse wirklich die Ansprüche an eine verwackelungsfreie,
aber bewegte Kameraführung erfüllen können, was meint Ihr?
Und hier das ganze nochmal in ' Cross-Eye-3D' als Experimental-Video!!!
Wie ich es gemacht habe, verrate ich Euch hier...
Ich würde mich über Eure Meinung dazu freuen, schreibt mir einfach eine eMail...
Der Camcorderträger (Bild 3)