Schmalfilme digitalisieren
Schmalfilme sind vom Zerfall bedroht und die zur Vorführung erforderlichen Projektoren noch mehr!

Also müssen sich die vielen Schmalfilmbesitzer wohl oder übel Gedanken machen, wie man die alten Streifen für die nachfolgenden Generationen retten kann. Eine Überspielung auf digitale Medien bietet sich hier an. Diese sind zwar ebenfalls wieder nur begrenzt haltbar, können aber zumindest verlustfrei umkopiert werden und sollten daher bei sorgsamer Überwachung zur Archivierung verwendet werden können.

Der Aufbau zur Überspielung meiner Schmalfilme sieht hier zwar waghalsig aus, funktioniert aber einwandfrei und ist zudem zweckmäßig - so gehts:

Man braucht zunächst natürlich einen noch funktionierenden Projektor. Da die heutzutage nur noch schwer zu bekommende 150(!!!)-Watt-Speziallampe in meinem Projektor bereits nach den ersten Überspielungsversuchen prompt ihren kurzlebigen Geist aufgab, baute ich mir einfach eine handelsübliche Kaltlichtleuchte mit Reflektor ein, die zwar nur 50 Watt Leistung bringt, aber für die Überspielung auf die Miniatur-Projektionsfläche des 'HAMA-TeleScreen Video' völlig ausreicht. Die hohe Lichtempfindlichkeit moderner Camcorder zusammen mit der nur kleinen Projektionsfläche machen es durchaus möglich...


Gegen Fremdlichteinstrahlung stellte ich seitlich und oben zwischen Projektor und TeleScreen irgendwelche Abdeckungen auf. Nur den Spalt für den Zugriff auf das Projektorobjektiv (zum Einstellen der Schärfe) ließ ich frei. Verschiedene Filmmaterialien liefern leider recht unterschiedliche Schärfeebenen, man muss daher bei fast jeder Filmspule nachregeln.
Den Camcorder montierte ich auf ein Stativ und positionierte ihn sehr nahe an der Austrittslinse. Die Entfernungseinstellung an der Kamera stellte ich auf 'manuell' und passte sie mittels einer Testaufnahme bestmöglich an. Die automatische Einstellung funktioniert im Prinzip zwar auch (mittels 'Makro'), aber dabei tritt bei mir leider öfters das 'Schärfe-Pumpen' auf. Zur manuellen Scharfstellung war der zusätzlich angeschlossene TV-Bildschirm sehr hilfreich, denn das LCD-Display des Camcorders erlaubt keine ausreichend exakte Schärfeneinstellung. Übrigens ist auch der Bildausschnitt selbst am Camcorder zu ungenau, denn es kommt in Wirklichkeit deutlich mehr aufs Bild, als das Display anzeigt.

Gegen das gefürchtete Flimmern habe ich bei meinem Camcorder herausgefunden, dass der Effekt 'Slow Shutter' hier eine hervorragende Hilfe darstellt. Zwar wird dadurch leider intern die manuelle Blendenkorrektur abgeschaltet, aber die ist auch gar nicht nötig. Jedenfalls wird das Flimmern vollkommen unterdrückt und ich brauchte die Projektorgeschwindigkeit nicht auf die unnatürlich wirkenden 16 2/3 Bilder pro Sekunde herunterzuregeln (3 mal 16 2/3 Bilder ergeben ja wieder die 50 Bilder pro Sekunde beim Fernsehbild). Ganz abgesehen davon, dass kein Projektor ohne spezielle elektronische Maßnahmen dieses Tempo so exakt einhält und sich dann in aller Regel doch wieder Schwebungen in Form von Helligkeitsschwankungen ergeben würden.
Dieser 'Slow Shutter'-Effekt ist allerdings durchaus nicht bei allen Camcordern vorhanden und man muss daher im Einzelfall testen, wie man am besten das Flimmern wegbekommt.

Am Camcorder wurden zwei Verbindungen angeschlossen: das FireWire-Kabel zum digitalen Überspielen in den PC und das Video-Kabel zum Kontroll-Monitor für die exakte Ausschnitt- und Schärfenüberprüfung. Der PC-Bildschirm hätte zwar wahrscheinlich auch dafür ausgereicht, er war bei mir aber nicht nahe genug an den Camcorder zu positionieren und der Bildschirm des TV-Gerätes ist zudem größer.
Die Aufzeichnung des Videos führte ich mit Ulead Video-Studio durch (übernommen von Corel).

Inzwischen bin ich auf Video deluxe (Magix) umgestiegen, denn VideoStudio wurde im Laufe der Jahre trotz (oder gerade wegen) einiger Programm-Aktualisierungen sehr instabil. Das Bedienungskonzept war zwar meiner Meinung nach das beste seiner Klasse, aber bei dauernden Abstürzen kann man keine Videos bearbeiten!
Video deluxe ist extrem stabil und bietet zudem mehr technische Möglichkeiten, die sich aber leider oftmals gut in den Tiefen der recht vielschichtigen Menüs versteckt halten.
Sehr schnell ausgemustert habe ich Pinnacle Studio mit seinen absolut lästigen 'Nachkauf'- Aufforderungen von Teilfunktionen.

Nach dem Überspielen der Schmalfilme bearbeite ich die Sequenzen noch etwas nach. Meistens ist ein Titel hinzuzufügen sowie ein 'Ende'-Abspann. Auch eine leise Musikspur hinterlege ich gerne, um die ansonsten meist stummen Filme wenigstens etwas abzurunden. Als Tipp hierzu: Instrumentale(!) Musik lässt sich gut aus dem Internet mitschneiden, dort gibt es unzählige Musik-Sender, die rund um die Uhr Musik liefern. Mit dem Shareware-Tool 'RadioTracker' habe ich mir inzwischen legal viele Songs saugen können, die ich nicht nur für die Video-Vertonung sehr gut als Archiv verwenden kann, sondern sie mir auch gerne so anhöre...

Mit dem Video-Editor erzeuge ich pro Schmalfilm eine einzelne MPEG-Datei, die ich dann auf dem USB-Multimedia-Laufwerk ablege. Von dort kann ich die Filme dann direkt am TV-Gerät abspielen und sie vor allem auch weiter kopieren, vor allem zur Datensicherung. Ohne diese Sicherung wäre das Risiko für einen Verlust der digitalisierten Filme zu groß, schließlich hatte ich schon mehrere Festplatten-Ausfälle über die letzten Jahre!!!

Ich würde mich freuen, wenn ich hiermit ein paar Anregungen gegeben hätte, damit auch andere ehemalige Schmalfilmer ihre diversen filmischen Schätze in die neue Welt der Video-Technik hinüberretten könnten. Nach dem Übertragen ist ja dank der digitalen Speicherung ein weiterer Qualitätsverlust so gut wie auszuschließen, wenn man immer darauf achtet, dass die Silberlinge sachgemäß gelagert werden und bei Systemwechseln rechtzeitig umkopiert werden.

Es gibt inzwischen viele Informationen zu diesem Thema im Internet, besonders diese Adresse möchte ich hier nochmal gezielt weitergeben, denn dort hat sich jemand wirklich schon sehr intensiv mit der Thematik befasst.